Unternehmen | 2019/10 - 23. Mai, S. 5


Aus der Luft auf die Schiene


Alexander Draack ist als Quereinsteiger zur Bahn gekommen


Alexander Draack mag es, unterwegs zu sein. Und er arbeitet gerne mit Menschen zusammen. Beides konnte er während seiner Tätigkeit als Flugbegleiter optimal miteinander ver­binden. 17 Jahre hat er für „Air Berlin“ gearbeitet – bis die Airline im Oktober 2017 Pleite gegangen ist. „Beruflich stand ich erst mal vor dem Nichts“, sagt der Berliner.

Mitarbeiter
Kundenbetreuer Alexander Draack mag die neuen Herausforderungen, die jeder Arbeitstag mit sich bringt.
Foto: André Groth
 

Aufgefangen hat ihn schließlich die Deutsche Bahn und die Möglichkeit, dort als Quereinsteiger eine Ausbildung zum Kundenbetreuer im Nahverkehr (KiN) zu machen. „Das war für mich eine sehr attraktive und zukunfts­sichere Alternative – vor allem, weil diese Tätigkeit der des Flugbegleiters recht ähnlich ist“, sagt Draack. Begonnen hat er mit der dreimonatigen Ausbildung im August 2018.
Die Umstellung sei ihm nicht sehr schwer gefallen. „Es gibt viele Parallelen – den freundlichen und profes­sionellen Umgang mit Gästen bin ich seit vielen Jahren gewohnt. Auch die Arbeit im Schichtsystem ist mit dem in der Fliegerei fast identisch“, berichtet der einstige Steward.

Dass sie bereits Erfahrungen im Kundenbereich mitbringen und sich auf die neue Herausforderung ein­lassen, schätzt auch Toni Krüger, Referent für die Ausbildung Kundenbetreuung bei der Bahn, an Quereinsteigern wir Alexander Draack. „Dabei gibt es eigentlich keine Altersgrenze – wir hatten auch schon Menschen über 50 dabei. Darunter einige ehemalige Flugbegleiter, die nicht mehr so viel unterwegs und abends gerne zu Hause sein wollten“, sagt Toni Krüger.

Natürlich gebe es anfangs viel neuen Stoff zu lernen, beispielsweise zum Tarifwesen. Und auch die Bahn stelle zudem allmählich auf andere Kommunikationsmittel um. So erhalte jeder Kundenbetreuer ein eigenes Tablet für seine Arbeit. „Das muss man sich zutrauen“, macht Toni Krüger deutlich. „Wir haben aber die Erfahrung gemacht, dass das am Ende gelebte Praxis ist – in der Ausbildung können wir ohnehin nur die Grundlagen vermitteln. Die richtige Bahn-Welt lernt man erst in den Jahren danach kennen.“

Alexander Draack schätze an seiner neuen Tätigkeit, dass jeder Tag neue Herausforderungen mit sich bringe. Auf einem Zug könne – genau wie seinerzeit in einem Flugzeug – ständig etwas Ungeplantes passieren. „Aufmerksamkeit und ein situationsbedingter, professioneller Umgang mit den Fahrgästen sind für mich jeden Tag aufs Neue der große Anreiz“, sagt der 41-Jährige. „Es gibt in meinen Augen nichts Schlimmeres, als durch ständig wiederkehrende Routine abgestumpft zu werden. Ich bin eigentlich immer gut gelaunt und habe stets ein Lächeln im Gesicht – und das spiegelt sich dann auch meinen Fahrgästen gegenüber wider.“

Sein Aufgabenbereich bestehe in erster Linie darin, Ansprechpartner für jeden einzelnen Kunden zu sein.  „Mit meiner Uniform repräsentiere ich das Unternehmen ‚Deutsche Bahn‘ in seinem vollen Umfang. Von der Präsenz auf den Bahnsteigen, wichtigen Ansagen hinsichtlich Anschlussverbindungen, der Kontrolle und dem Verkauf von Fahrkarten bis hin zu einer guten Erste-Hilfe-Ausbildung, bin ich für so ziemlich alle Situationen ausgebildet worden“, erläutert der Kundenbetreuer.

Er hat auch Tipps für diejenigen, die selbst überlegen, als Quereinsteiger eine Ausbildung zum Kundenbetreuer im Nahverkehr zu machen. „Für den Beruf sollte man ein offener Mensch sein. Man hat mit vielen, teilweise sehr unterschiedlichen Menschen, zu tun“, sagt Alexander Draack. „Flexibilität und auch die Bereitschaft, im Schichtsystem zu arbeiten, sollten vorhanden sein. Das ist auf jeden Fall ein Beruf, der Spaß macht.“

JM

 

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Die besten Voraussetzungen für den Quereinstieg bringen Menschen aus Gastronomie, Hotelfach und Touristik mit. Besonders geeignet sind beispielsweise Servicekräfte aus Verkehrs­berufen, Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufe sowie Verkaufsberufe. Bewerber sollten Einsatzbereitschaft, Engagement und Teamfähigkeit mitbringen. Außerdem Belastbarkeit, Durchsetzungsvermögen und Verantwortungsbereitschaft. Bewerbungen an: karriere@deutschebahn.com