Unternehmen | 2019/05 - 7. März, S. 4


Ganz schön komfortabel! Regionalverkehr der Zukunft


Welche Verbesserungen Fahrgäste im Netz Elbe-Spree ab Ende 2022 erwarten


In rund drei Jahren ist es so weit, dann kommen  im Netz Elbe-Spree die in der Ausschreibung festgeschriebenen Verbesserungen und Innovationen auf die Schienen von Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Da Vorfreude bekanntlich die schönste ist, stellt punkt 3 die Leistungen noch einmal etwas detaillierter vor.
 

Regio
Bereits im Pilotprojekt „Rad im Regio“ hier auf der Linie RE3 getestet: Ein großes Fahrrad-Symbol wird die
entsprechenden Abteile kennzeichnen, so dass Fahrgäste sie leicht finden. Foto: Stjepan Sedlar, Grafik: VBB
 

Am 25. Januar wurde die Neuvergabe des Regionalnetzes durch Verkehrsministerin Kathrin Schneider, Verkehrssenatorin Regine Günther und VBB-Geschäftsführerin Susanne Henckel bekannt gegeben. Künftig wird DB Regio Nordost die Linien RE2, RE20, den Flughafenexpress, RB10, RB14, RB24 und RB32 (alle Los 2) sowie RE7, RB20, RB21, RB22 und RB23 (Los 3) bedienen. Die ODEG gewann RE1 (Los 1) sowie RE8, RB17, RB33, RB37 und RB51 (Los 4).
 

Linienzuschnitt in zwei Stufen

Die zukünftige Linienführung im Netz Elbe-Spree beinhaltet zwei Betriebsstufen: Die erste Stufe erfolgt vor Beendigung der Bauarbeiten für die Dresdner Bahn in Berlin (m  Grafik). Ist diese fertig, können weitere Verbesserungen für die Fahrgäste erreicht werden. Insbesondere der Flughafenexpress und der RE8 auf dem südlichen Linienast sollen erheblich beschleunigt werden. Unter anderem  wird die Linie RE20 Berlin Hbf – Flughafen BER – Cottbus neu eingeführt. Außerdem sehen die Verkehrsverträge im Netz Elbe-Spree vor, dass auch während der Vertragslaufzeit von zwölf Jahren Angebote erweitert werden können. Vor dem Hintergrund einer wachsenden Stadt und steigenden Pendlerzahlen eine vorausschauende Entscheidung, die der Umwelt zugutekommt.


Mehr Sitzplätze für Pendler

Neben der Infrastruktur ist natürlich auch der Komfort wichtig. Auf den Linien des Loses 2 kommen Zugkonfigurationen mit jeweils fünf Doppelstockwagen mit 550 beziehungsweise 485 Sitzplätzen zum Einsatz. Auf den pendlerstarken Linien – wie beispielsweise RE2 Nauen – Cottbus – werden Züge mit 550 Sitzplätzen auf die Schiene gebracht. Zum Vergleich: In den heute eingesetzten KISS-Zügen des Fahrzeugherstellers Stadler sind es 428 Sitzplätze. Die Flughafenlinien zeichnen zukünftig zusätzliche Abstellflächen und Ablagen für Gepäck aus. Spurtstarke Loks der Baureihen 182 und 147 sorgen für eine gute Beschleunigung und somit für pünkt­liche Fahrzeiten.

Die eingesetzten gebrauchten Fahrzeuge werden einer umfangreichen Rundumerneuerung unterzogen. Unter anderem erhalten sie neue Polster, Böden und Lackierung. Außerdem werden neue, größere Monitore mit einem modernen Fahrgastinformationssystem installiert. Auf ihnen wird dann in Echtzeit die Auslastung der Fahrzeuge angezeigt und die Auslastungsprognose für die weitere Fahrt. An den Einstiegstüren und Fahrzeugübergängen verbaute Zählsensoren erfassen die Auslastung in den einzelnen Wagen.

Wohl die wichtigste Neuerung für die Fahrgäste wird das WLAN in den Zügen sein. Auf den Linien im Los 3 kommen drei- und fünfteilige Triebfahrzeuge vom Typ TALENT 2 (ET442) mit 270 beziehungsweise 150 Sitzplätzen, der Nachfrage entsprechend, zum Einsatz. Zum Beispiel werden auf der Linie RB22 zukünftig ein Fünfteiler (270 Sitzplätze) und auf der Linie RB20 ein Dreiteiler (150 Sitzplätze) eingesetzt, die auf dem Abschnitt Golm-Potsdam gemeinsam in Doppeltraktion (420 Sitzplätze) fahren.

Auf dem RE7 und auf der RB23 werden die Fahrten überwiegend in Doppeltraktion – Fünf- und Dreiteiler – gefahren. Für ihren Einsatz erhalten auch die ET442 eine Rundumerneuerung. Die im Los 2 beschriebenen Züge bekommen ihre Frischekur in Wittenberge, die im Los 3 bei Bombardier in Hennigsdorf bei Berlin. 


Stellplätze für Räder

Das VBB-Pilotprojekt „Rad im Regio“ (vbb.de/radimregio), das im Mai 2016 gestartet worden war, liefert wertvolle Erfahrungen zur Erleichterung der Fahrradmitnahme im Zug. Einige getestete Ideen werden nun gängige Praxis. Besonders wichtig für die Radler unter den Fahrgästen: Es wird vorrangige Stellplätze für Räder geben. Eine klare Regelung, die für Ordnung im Zug sorgt, denn jeder kann schnell erkennen, was und wer wo hingehört. Auffällige Piktogramme am und im Fahrzeug weisen auf die Radstell­plätze hin, diese haben sich im Test bewährt. So ist eine Orientierung schon vor dem Einstieg möglich.

Claudia Braun

 

Erhöhte Kapazitäten, neue Verbindungen

Bis 2030 rechnet der VBB mit erheblichen Nachfragesteigerungen von abschnittsweise um bis zu 100 Prozent. Entsprechend werden die Kapazitäten durch eine dichtere Taktung und längere Züge erheblich erhöht, zum Beispiel:

  • RE2: zwei statt einer Fahrt pro Stunde zunächst in der Hauptverkehrszeit Berlin – Lübbenau (nach Infrastrukturausbau Verlängerung nach Cottbus) und Erhöhung der Zugkapazität von 420 auf 550 Sitzplätze
  • RE7: zwei statt einer Fahrt pro Stunde Bad Belzig – Berlin Wannsee und zukünftig durchgehend mindestens 420 Sitzplätze pro Zug
  • Berlin – Nauen: vier statt drei Fahrten pro Stunde
  • Flughafenexpress: Erhöhung der Kapazität von 300 auf 485 Sitzplätze
  • RB24: Erhöhung der Kapazität von 300 auf 485 Sitzplätze
  • RE1: drei statt zwei Fahrten pro Stunde in der Hauptverkehrszeit mit einer durchgehenden Zugkapazität von 637 Sitzplätzen

Mit Auslaufen der heutigen Verträge im Netz Stadtbahn im Dezember 2022 erfolgt gleichzeitig eine Neusortierung des Liniennetzes. Neue Verbindungen entstehen, wie zum Beispiel:

  • Nach Fertigstellung der Dresdner Bahn in Berlin verdichtet die Linie RE20 den RE2 zwischen Berlin und Cottbus auf einen ganztägigen 30-Minutentakt.
  • Die RB21 verbindet zukünftig die Landeshauptstadt Potsdam und den Wissenschaftsstandort Golm direkt mit Berlin-Spandau und Berlin-Gesundbrunnen.
  • Eine neue Linie RB32 bindet Oranienburg (via Berlin Ostkreuz) und Ludwigsfelde künftig direkt an den Flughafen BER an. Eberswalde und Bernau erhalten durch die neue Linienführung der RB24 eine Direktanbindung an den Flughafen. Zwischen den östlichen Berliner Bezirken und dem neuen Flughafen ergibt sich ein 30-Minutentakt.

Liniengrafik
Grafik: VBB
 

Die detaillierte Karte gibt es auf vbb.de/nes