Bauen | 2018/14 - 26. Juli, S. 10


Besser gewappnet gegen Stürme


Deutsche Bahn macht „Problembäume“ ausfindig


Jetzt geht es den Flachwurzlern, Weichlaubhölzern und Standortfremden an den Kragen – oder besser gesagt an den Stamm. Die Deutsche Bahn hat den „Aktionsplan Vegetation“ aufgelegt und macht „Problembäume“ verstärkt ausfindig. Dadurch möchte das Unternehmen künftig besser gegen Sturmschäden gewappnet sein. Denn die jüngsten Sturmtiefs haben gezeigt, wie fatal sich umgestürzte Bäume auf den Bahnverkehr und die Fahrpläne auswirken können. Im vergangenen Herbst kam so ein Schaden von rund 60 Millionen Euro zustande. Bundesweit werden nun 125 Millionen Euro in die Hand genommen, um den Aktionsplan umzusetzen.

Baumflächenmanager

Baumflächenmanager Tobias Korb prüft mit dem sogenannten Schonhammer,
ob die Standfestigkeit des Baums noch gegeben ist.

Baumflächenmanager Tobias Korb ist an diesem Tag mit Sondierstange und Schonhammer im Vegetationsbereich nahe des S-Bahnhofs Hermannstraße unterwegs. Die Züge von fünf S-Bahnlinien, darunter die Ringbahnlinien, fahren hier im dichten Takt vorbei. Mit der speziellen Stange kann der Bauminspektor im Stammfußbereich eines Baumes in den Boden stechen. „So sehe ich, ob die Wurzel bereits eine Fäule aufweist. Das ist von außen nicht immer erkennbar“, erklärt er. Den mit Gummi auf der einen und Kunststoff auf der anderen Seite geschützten Spezialhammer schlägt er gegen den Stamm. „Dadurch kann ich ihn nicht verletzen. Ich höre dann, ob es im Inneren Hohlräume oder Fäule gibt, die die Standfestigkeit beeinträchtigen“, sagt Korb.

Einen Übeltäter hat er ausgemacht: Es ist eine Robinie. „Totholz muss auf jeden Fall entfernt werden“, sieht der Fachmann mit einem Blick. Ob der gesamte Baum gefällt werden muss, wird seine Klang- und Stichprobe zeigen. Robinien neigen zu Wurzelfäule, deshalb sind sie im Schienenbereich eher nicht gern gesehen. Ebenso wie Weichlaubhölzer, Pappeln, Weiden und Eschen, die häufig von einem Pilzbefall betroffen sind. Standortfremde Bäume, wie etwa Sommerflieder, Essigbäume und Hopfen, werden herausgenommen. Im Idealfall soll ein sechs Meter breiter Streifen neben dem Außengleis baumfrei sein.

„Geplant ist, das Streckennetz in fünf Jahren sturmsicher zu haben“, erklärt Felix Gerhardt, der dem Team Naturgefahrenmanagement vorsteht, ein Ziel des Aktionsplans. Des Weiteren wird erstmals ein digitales Kataster erarbeitet, in dem bis Ende des Jahres die Vegetation entlang der Gleise verzeichnet sein soll. Bislang erfolgte die Übermittlung per E-Mail. Zudem wird das Hotspot-Programm fortgeführt: „Hotspots sind Streckenabschnitte, die für uns unverzichtbar sind. Dort darf kein Baum mehr stehen, der auf die Gleise fallen kann“, erklärt Gerhardt. Im Berliner Netz gibt es zwei dieser noch stark bewachsenen Abschnitte – entlang der S 2 zwischen Blankenfelde und Attilastraße.

Um den Aktionsplan umzusetzen, sucht die Bahn bundesweit rund 150 weitere Mitarbeiter aus der Forst- oder Gärtnerbranche. Leicht wird das nicht werden, meint Stephan Landrock, Forstingenieur bei der DB Fahrwegdienste GmbH: „Diese Leute sind sehr gefragt.“

Das neunköpfige Team um Tobias Korb würde sich über Verstärkung freuen.

Claudia Braun
karriere.deutschebahn.com
 
Aktionsplan Vegetation