Technik | 2018/13 - 12. Juli, S. 4


Schick, schicker, neue S-Bahn


Mit Inbetriebsetzung ist ein weiterer Meilenstein für die neuen S-Bahnzüge erreicht


Auf diesen Sitzen hat noch niemand vorher gesessen, keiner bisher durch die großen Panoramafenster geschaut. Die Armaturen im Führerstand sind noch mit Folie versehen, die Hebel unangetastet. Das Blau des weichen Polsterstoffs leuchtet an diesem Tag mit dem Himmel um die Wette. Man merkt es am Geruch, am Glanz, an den Farben – alles ist hier neu, unverfälscht und frisch.

Ab 2021 soll die S-Bahn Berlin mit neuen Zügen auf der S 47 im modernen Design durchstarten. In den Wagen gibt es dann eine Klimaanlage, Kameras und Monitore. Am 27. Juni präsentierte das Herstellerkonsortium, bestehend aus Stadler Pankow und Siemens, die neue Zug-Generation der Baureihe 484 mit einem ersten montierten Halbzug auf dem Gelände von Stadler in Pankow.

Neue S-Bahn

Star des Tages war die nagelneue S-Bahn der Baureihe 484: Außen glänzt sie in frischen Farben, innen leuchten blaue Sitze.
Foto: Michael Setzpfandt

Neue S-Bahn-Sitze

Foto: Santiago Engelhardt

Mit dabei: Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller, Verkehrsstaatssekretär Jens-Holger Kirchner, Peter Buchner, Vorsitzender der Geschäftsführung der S-Bahn Berlin, Susanne Henckel, Geschäftsführerin des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg, Ulf Braker, Geschäftsführer von Stadler Pankow, Müslüm Yakisan, Leiter der S-Bahn und Regionalverkehrszüge bei Siemens sowie Alexander Kazcmarek, Konzernbevollmächtigter der DB. „Wir blicken mit diesem Zug der nächsten Generation in ein neues Zeitalter des S-Bahnangebots“, zeigte sich Müller beim gemeinsamen Probesitzen mit Buchner überzeugt. Als „wesentlich moderner und frischer“ bezeichnete er die neue Baureihe.

Neue S-Bahn Berlin

Michael Müller, Susanne Henckel und Peter Buchner (v.l.) im Führerstand.
Foto: Christiane Flechtner

Rund 900 Millionen Euro investiert die S-Bahn Berlin in die neuen Fahrzeuge und die nötige Anpassung des Werks Grünau. Bestellt sind insgesamt 106 Züge, bestehend aus 382 Wagen. 85 Vier-Wagen-Einheiten und weitere 21 Zwei-Wagen-Einheiten sind für das Teilnetz Ring/Südost vorgesehen.

Zuverlässig sollen sie sein – das sei nach Ansicht von Buchner „das A und O bei der Konstruktion“. „Deshalb finde ich es gut, dass die Techniker von Siemens und Stadler in unseren Werkstätten bei unseren Mitarbeitern nachgefragt haben, woran die jetzigen Fahrzeuge im Betrieb kranken“, erklärte er. „Herausgekommen sind verschiedene Lösungen, die viel mehr Reserven bieten als unsere heutigen Fahrzeuge: Dazu gehören die besondere Winterfestigkeit der Technik und eine zusätzliche Bremse. Zudem ist der Antrieb pro Wagen autark.“

Traditionell und modern

Die traditionellen Farben Gelb und Rot dominieren außen, im Inneren leuchtet es blau-schwarz. Dort fehlen jetzt nur noch die Fahrgäste, denn Sitze, Haltestangen und Wandverkleidung sind montiert, Bodenbelag und 90 Kilometer Kabel komplett verlegt. Susanne Henckel war begeistert: „Vor sieben Monaten sind wir durch den rohen Wagenkasten gegangen, und heute können wir etwas anschauen und anfassen, was wir gut eineinhalb Jahre nur auf Papier erlebt haben. Es ist ein echter Meilenstein erreicht.“

Doch fahren aus eigener Kraft kann der neue Zug noch nicht. Deshalb wird er nun an den Stadler-Standort nach Velten überführt, wo die Inbetriebsetzung das Fahrzeug zum Leben erweckt. Technisch umfasst dieser Schritt alle Tätigkeiten, die notwendig sind, um das fertig montierte Schienenfahrzeug in einen betriebsbereiten Zustand zu versetzen.

Führerstand

Neuwagenduft und unberührte Armaturen warten auf die Tester.
Foto: Santiago Engelhardt

„Es wird die für alle Funktionen erforderliche Software aufgespielt und im Anschluss jedes technische Gewerk geprüft – von der Nothaltfunktion über den Betrieb der Klimaanlage bis hin zum Test der dritten Schiene“, erklärt Braker. Schließlich erfolge die Stromübertragung über eine seitliche, von unten bestrichene Stromschiene.

Nach dem Software-Einbau in Velten geht es im Anschluss in das Siemens-Prüfcenter nach Wegberg-Wildenrath in die Nähe von Düsseldorf. „Dort wird der Zug unter Realbedingungen und simulierten schwierigen Wetterlagen auf Herz und Nieren getestet“, erklärt Müslüm Yakisan.

Die Vorfreude auf den Einsatz der ersten zehn Vorserienfahrzeuge ist vor allem bei Buchner groß: „Ich lade Sie ein, am Morgen des 1. Januar 2021 mit mir die erste Fahrt ab Südkreuz zu unternehmen“, sagte er in die Runde der anwesenden Journalisten und Politiker. „Die ersten neuen Züge werden auf der Linie S 47 zwischen Südkreuz und Spindlersfeld zum Einsatz kommen“, fügte er abschließend hinzu.

Wer den Zug vorher sehen möchte: Er wird bei den Publikumstagen der InnoTrans am 22. und 23. September der Öffentlichkeit präsentiert.

Fle
 
Neue S-Bahn Berlin

Probesitzen und sich schon mal umgucken – es gibt viel zu sehen in der neuen S-Bahn.
Foto: Santiago Engelhardt

sbahn.berlin/neuesbahn