Technik | 2018/10 - 31. Mai, S. 7


TU vermittelt den Bahnbetrieb hautnah


Das Eisenbahn-Betriebs- und Experimentierfeld


Heiko Herholz hat einen Job, von dem sicher viele träumen: „Ich darf den ganzen Tag lang Modellbahn spielen“, erklärt er bei der Führung durch sein Reich. Tatsächlich dominiert eine große Modellbahnanlage den Hauptraum des Eisenbahn-Betriebs- und Experimentierfeldes am Institut für Land- und Seeverkehr der Technischen Universität (TU) Berlin. Das „Spiel“ darauf hat allerdings einen wissenschaftlichen Zweck. Hier erlernen Studierende die Grundlagen des Eisenbahnbetriebs unter realen Bedingungen mit echter Stellwerkstechnik.

TU Berlin

Fotos (2): André Groth

Dabei kommt Technik aus verschiedensten Jahrzehnten zum Einsatz: Beim mechanischen Stellwerk aus den Zwanzigerjahren ist noch richtig Muskelkraft des Bedieners an der Hebelbank gefragt, um die Signale und Weichen zu stellen. Diverse Ausführungen elektromechanischer Stellwerke verlangen nur noch das Drehen an Schaltern, den Kraftakt an Weichen übernimmt der Elektroantrieb.

Ein besonders seltenes Stück ist der Stelltisch eines EZMG (Bild unten), Relaisstellwerke dieser Art wurden in den Achtzigerjahren von der Deutschen Reichsbahn aus der Sowjetunion importiert. „In Deutschland gibt es nur noch drei davon, aber wir bereiten unsere Absolventen für internationale Tätigkeiten vor. Wer später einmal in Osteuropa arbeitet, könnte auf ähnliche Technik treffen“, verrät Heiko Herholz.

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Heute bestimmen elektronische Stellwerke, die vom PC aus bedient werden, den Betrieb, natürlich gibt es auch solche modernen Arbeitsplätze in der Anlage. Die Bedienmöbel und Computertische stammen teilweise aus der DB Netz Betriebszentrale Halensee.

„Wir schätzen die gute Zusammenarbeit mit der TU seit vielen Jahren. Wir freuen uns besonders über die Möglichkeit der praktischen Ausbildung für angehende Fahrdienstleiter. Diese lernen so die technische Vielseitigkeit des Bahnbetriebs kennen“, sagt Jens Hebbe, Leiter der Betriebszentrale S-Bahn Berlin bei DB Netz.

Regelmäßig trainieren künftige Fahrdienstleiter auf der Anlage und bereiten sich darauf vor, den Bahnbetrieb zu regeln und einen möglichst reibungslosen Betrieb nach vorgegebenem Fahrplan zu gewährleisten. Heiko Herholz kann für solche Fälle von einem zentralen Pult aus verschiedene Störungen simulieren, so dass die Auszubildenden gezielt schwierige Situationen üben können.

Wer den Übungsbahnbetrieb einmal selbst hautnah erleben möchte, hat zur Langen Nacht der Wissenschaften am 9. Juni die Gelegenheit. Das Eisenbahn-Betriebs- und Experimentierfeld bietet ein vielfältiges Programm.

www.ebuef.de