Unternehmen | 2018/10 - 31. Mai, S. 4


Keine Angst vor großen Loks


Nadine Stroscher wird Eisenbahnerin im Betriebsdienst bei DB Cargo


Nadine Stroscher kann sich noch gut an den Moment erinnern, als sie ihren künftigen Arbeitsplatz zum ersten Mal von innen gesehen hat. „Da dachte ich: Wow, das ist schon ein großes Gerät mit Kraft dahinter – das kann man nicht mit einem Auto vergleichen“, erinnert sie sich.

Die 30-Jährige ist im ersten Ausbildungsjahr zur Eisenbahnerin im Betriebsdienst (EiB) mit der Fachrichtung Lokführer und Transport am DB Cargo-Standort Seddin – dem aktuell noch größten Rangierbahnhof im Osten Deutschlands.

Auszubildende

Azubi Nadine Stroscher freut sich schon sehr darauf, endlich am Steuer einer solchen Lok sitzen zu dürfen.
Fotos (3): Josephine Mühln

Dass sie in ihrem Jahrgang die einzige Frau ist, stört die gebürtige Thüringerin nicht. Im Gegenteil: Nadine Stroscher lobt die gute Zusammenarbeit und dass sich alle gegenseitig unterstützen. Die dreijährige EiB-Ausbildung absolvieren aktuell 28 Azubis – neben Stroscher eine weitere Frau, die bereits im zweiten Lehrjahr ist.

„Viele Frauen wollen eher nicht im Güterverkehr tätig sein, auch weil die Arbeit körperlich anstrengender ist“, weiß Angelika Müller, Ausbildungskoordinatorin. Diese Tatsache benennt auch Nadine Stroscher als bisher größte Herausforderung ihrer Ausbildung. „Aber es ist am Ende Gewöhnungssache und eine Frage der Technik. Man muss seinen eigenen Kniff finden, um den Körper zu schonen und mit der Zeit wird es Routine.“

Ausbilder

Nadine Stroscher mit Ausbildungslokführer Bernd Reinhold. Ausbilder ist er seit 2008, zuvor hat er 20 Jahre als Lokführer gearbeitet.

Dass sie einmal Lokführerin werden würde, war für die junge Frau nicht immer klar. Bevor sie ihre Ausbildung in Seddin begonnen hat, hat Nadine Stroscher in Rostock ein Studium der Biowissenschaften abgeschlossen. „Aber das Interesse für die Bahn war auch schon immer da“, sagt die Potsdamerin. Nach dem Studium sei es schwer gewesen, eine langfristige Anstellung zu finden.

Bei DB Cargo blicke sie dagegen in eine sichere Zukunft. „Die Ausbildung macht mir sehr viel Spaß und besonders freue ich mich schon darauf, im nächsten Lehrjahr den Führerschein für die Loks zu machen.“ Mit dem sogenannten Triebfahrzeugführerschein kann Nadine Stroscher dann Loks der Baureihen 298 und 290 fahren. Für andere Typen sind extra Scheine erforderlich – beispielsweise um Personen befördern zu dürfen.

Über einen Quereinstieg zur Ausbildung zu kommen, habe in den vergangenen Jahren zugenommen, sagt Angelika Müller. Der aktuell älteste Azubi sei 41 Jahre alt und im zweiten Lehrjahr. „Der Konzern gilt für viele noch immer als Aushängeschild und steht für einen sicheren Arbeitsplatz“, ergänzt Matthias Follert, Chef der Wagenmeister.

Rangierbahnhof

Der Rangierbahnhof Seddin ist aktuell noch der größte seiner Art in Ostdeutschland.
Am DB Cargo-Standort Seddin arbeiten insgesamt 150 Triebfahrzeugführer.

Zudem seien Seiteneinsteiger gerne gesehen, weil sie bereits eine andere Lebenserfahrung mitbringen. „Belastbar zu sein und ausgeglichen, nicht schnell hektisch zu werden – darauf kommt es bei diesem Beruf an“, sagt Müller. Neben einem Tauglichkeitstest durch den Betriebsarzt müssen sich Bewerber daher auch einem psychologischen Test unterziehen.

Nadine Stroscher will nach dem erfolgreichen Abschluss ihrer Ausbildung gerne am Standort Seddin bleiben. „Ich kann mir aber auch vorstellen, später auf der Strecke eingesetzt zu werden“, sagt sie.

Josephine Mühln

  • Insgesamt arbeiten bei der Deutschen Bahn etwa 18.000 Lokführer, davon rund 2.000 bei DB Fernverkehr, 12.000 bei DB Regio und 4.000 bei DB Cargo.
     
  • Die Zugbildungsanlage Seddin ist Drehscheibe im europäischen Güterverkehrs-Netzwerk von und nach Skandinavien und Osteuropa.
     
  • Die Anlage ist 5.000 Meter lang und 300 Meter breit. Sie verfügt über drei automatische Talbremsstaffeln und 28 Richtungsgleisbremsen.
     
  • Täglich passieren die Anlage rund 1.200 Wagen – ausgelegt ist sie für 2.000 Wagen.
     
  • Das zum Gelände gehörige Instandhaltungswerk hat im vergangenen Jahr seinen 90. Geburtstag gefeiert.