Technik | 2018/07 - 12. April, S. 4


In der virtuellen Bahn


Angehende Lokführer trainieren am Simulator die verschiedensten Szenarien


Die eben noch klare Sicht verwandelt sich in eine undurchsichtige Nebellandschaft. Maximilian Till muss die Geschwindigkeit des Zugs sofort drosseln, sonst wird sein Trainer Sebastian Präkelt ihn rügen. „Wie wäre es jetzt noch mit einer Information für unsere Fahrgäste?“, fragt Präkelt dann – und Till drückt den Knopf für die Zugdurchsage.

Doch Till, 18 Jahre jung, sitzt nicht wirklich im Führerstand einer Bahn, sondern in einem hellen Schulungsraum auf dem Werkstattgelände der Deutschen Bahn in Lichtenberg. Der junge Mann aus Zepernick, einem kleinen Ort in der Nähe von Bernau, befindet sich derzeit im ersten Lehrjahr seiner Ausbildung zum Eisenbahner im Betriebsdienst mit Fachrichtung Lokführer und Transport.

Virtuelle Bahn

Die Auszubildenden Maximilian Till (links) und Felix Tuchtenhagen
gemeinsam mit Sebastian Präkelt, Trainer der Auszubildenden.
Fotos (3): Anne-Kathrin Fischer

Er schaut konzentriert auf den 60-Zoll-Bildschirm vor sich und stellt sich dabei vor, er sei in einer richtigen Bahn. Die Simulationsstation, die mit den gleichen Bedienelementen und Software für die Zugbeeinflussungssysteme wie die fahrenden Züge ausgestattet ist, hat die DB Regio AG neu im Februar angeschafft.

An diesem Vormittag kommt auch die Leitung  von DB Regio Nordost, um sich anzusehen, wie die Auszubildenden mit dem Simulator trainiert werden. Die Hardware besteht aus einem 60-Zoll-Monitor, einem Triebzug-Fahrpult und zwei Laptops. „Wir können damit alle Betriebssituationen wie Störungen an der Infrastruktur, an der Oberleitung, an den Bahnübergängen, an den Signalanlagen oder an den Fahrzeugen simulieren“, erklärt Lars Heider.

Er ist seit 2009 Leiter des Betriebsmanagements für Triebfahrzeugführer. Derzeit gebe es insgesamt 68 Auszubildende an den Standorten Berlin, Cottbus und Rostock, im September würden 30 neue Lehrlinge eingestellt. Vor der Anschaffung des Simulators war es den Auszubildenden nur im großen Fahrsimulator der Bahn in Berlin Schöneweide möglich, das theoretisch Gelernte praktisch anzuwenden. „Den großen Fahrsimulator mit Führer- und Maschinenraum einer Lok nutzen wir weiterhin“, sagt Heider, „aber jetzt sind wir flexibler und müssen nicht mit allen Azubis extra dorthin fahren“.

Anwender Till berichtet:
„Es macht Spaß, wenn man ausüben kann, was man später machen wird. Und man lernt viel dabei.“ Einen zweiten Simulator gibt es am Standort Rostock. Zudem kann die Simulationsstation auch für andere Mitarbeiter genutzt werden – etwa für Lokführer, die neue Betriebsverfahren kennenlernen sollen oder die für längere Zeit nicht im aktiven Fahrdienst waren.

Für Maximilian Till geht es indes weiter: Der Nebel ist verschwunden, dafür will das Bremsen nicht gelingen. „Ich simuliere nun eine Veränderung des Reibwerts“, erklärt Ausbilder Präkelt. Damit ist der Reibungsbeiwert zwischen Rad und Schiene gemeint, der sich etwa bei viel Laub im Herbst verschlechtern kann. Doch kein Problem für Maximilian Till: „Dann muss ich wohl Sand streuen“, sagt der angehende Lokführer, seufzt und drückt den Taster, der in einer wirklichen Bahn dafür sorgt, dass Sand zum Anfahren oder zum Bremsen aus einem Behälter mit Druckluft vor die Radsätze auf die Schienen gestreut wird.

Anne-Kathrin Fischer
 
Teilnehmerunterlagen
Teilnehmerunterlagen für den Betriebsdienst
 
Simulator

Zum Simulator gehörende Hardware

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