„Sehr geehrte Fahrgäste, in Kürze erreichen wir Berlin Hauptbahnhof. Alle Anschlusszüge werden erreicht,“ als diese Worte der Zugbegleiterin auch vorne auf der Lok erklingen, weiß Felix Tuchtenhagen, viel kann jetzt nicht mehr schiefgehen auf den letzten Metern seiner praktischen Prüfung zum Triebfahrzeugführer. Er steuert die E-Lok der Baureihe 112 mit einer Seelenruhe in den Bahnhof, die keinen Funken seiner Prüfungsnervosität erkennen lässt, von der er später berichten wird. Keine fünf Minuten später steht der 21-Jährige gelöst auf Bahnsteig 5 des Hauptbahnhofs und wartet zusammen mit seinem Azubi-Kollegen David Wolke, der heute ebenfalls seine „Fahrprüfung Zugfahrt“ absolvierte, auf das Urteil seiner Prüfer.

Einer der Prüfer an diesem Mittwoch im August ist Lars Heider, der Leiter Betriebsmanagement Triebfahrzeugführer für die gesamte Region Nordost. Seit über 20 Jahren betreut er bereits die DB Regio Azubis und zeigt sich heute sehr zufrieden mit seinen Schützlingen, zumal es wieder mal eine Fahrt unter unverfälschten Realbedingungen war: An der Lok, die einen Schwerpunkt der Ausbildung ausmacht, gab es einen Ausfall einer technischen Einrichtung und somit ein paar Besonderheiten zu beachten.

Die ältere, aber immer noch viel gefahrene Lokomotive mit Kommutatorantrieb hat gerade für den Lehrbereich große Vorteile im Vergleich zu modernen Drehstromloks. Vieles was heute automatisiert hinter verschlossenen Schränken ablaufe, könne man den Azubis auf den älteren Modellen noch anschaulich erläutern und sei so auch besser nachvollziehbar, erläutert Heider.

„Alles ordentlich gemacht und nichts zu bemängeln, auch was das Einhalten der Geschwindigkeiten und das Bremsverhalten der beiden jungen Kollegen hier betrifft,“ gibt der Prüfer dann auch anerkennend zu Protokoll und der Stolz auf den erfolgreichen Nachwuchs, der dabei in seiner Stimme mitschwingt, kommt nicht von ungefähr. In den drei Jahren, die Ausbilder und Auszubildende insgesamt miteinander verbringen, wächst ein besonderes Vertrauensverhältnis heran, das allen Beteiligten deutlich anzumerken ist. Genau dieses Zusammengehörigkeitsgefühl und auch der freundschaftliche Umgang miteinander gefiel Azubi David Wolke (29) demnach auch am besten an der Ausbildung – „neben dem eigentlichen Eisenbahnfahren an sich natürlich“.

Wesentlich härter sei der theoretische Teil und dessen Regelwerke von bis zu 800 Seiten gewesen. Dazu kamen außerdem die besonderen Bedingungen, die eine Ausbildung in Zeiten einer Pandemie eben so ausmachen: Homeschooling statt Präsenzunterricht, mehr digitales Lernen über interne Plattformen und spezielle Konsultationstage und Praxismodule in Kleingruppen, die alle unter Einhaltung der Gesundheitsvorgaben der Länder und der DB organisiert wurden. Umso beachtlicher, dass der Zeitplan trotzdem gehalten werden konnte.

Insgesamt sechs neue Triebfahrzeugführer kommen nach der offiziellen „Freisprechung“ zum Abschluss ihrer Ausbildung dann ab September in Berlin zum Einsatz (in Cottbus sind es ebenfalls sechs und in Rostock sieben). Als nächstes stehen nun für einen breiter gefächerten Einsatz weitere Schulungsinhalte an. Um zum Beispiel auf Triebwagen der Baureihe ET442 allein fahren zu dürfen, kommen weitere Ausbildungsinhalte und Fahrzeugprüfungen auf die beiden zu. Der allererste „Halt“ nach der frisch abgeschlossenen Ausbildung zum Triebfahrzeugführer bei DB Regio Nordost lautet für beide Azubis jetzt allerdings erstmal: Urlaub – und das wohlverdient! | lk

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