Jeder, der regelmäßig öffentliche Verkehrsmittel benutzt, kennt diese Situation: Der Zug verweilt seelenruhig am Bahnsteig, doch plötzlich und unvermittelt schließen sich die Türen, Einsteigen ist nicht mehr möglich. Dabei zeigt die Uhr noch immer genau die Minute, zu welcher der Zug laut Anzeige und Aushang abfahren sollte. Warum also sind die Türen bereits verschlossen und lassen sich auch durch Knopfdruck nicht mehr öffnen? Hintergrund ist, dass die im Fahrplan veröffentlichte Abfahrtzeit des Zuges wortwörtlich auch die tatsächliche Abfahrtzeit des Zuges darstellt, nicht jedoch, wie häufig vermutet, den letztmöglichen Zustieg.

 

Zwei Minuten früher am Bahnsteig sein

Uwe Lademann, stellvertretender Eisenbahnbetriebsleiter bei DB Regio Nordost empfiehlt Fahrgästen, immer spätestens zwei Minuten vor Zugabfahrt am Bahnsteig zu stehen. Die Verweilzeiten der Nahverkehrszüge betragen auf den Bahnhöfen zwischen 30 Sekunden und zwei Minuten. Deshalb nehmen Fahrgäste durch rechtzeitiges Ein- und Aussteigen maßgeblich Einfluss auf die Pünktlichkeit. Wegen der eng getakteten Fahrpläne haben Triebfahrzeugführer kaum Spielraum, um mal Fünfe gerade sein und verspätet heran eilende Fahrgästen noch in den Zug zu lassen.

Schließlich möchten alle Kunden pünktlich ankommen. Der gesamte Abfertigungsvorgang unterliegt einem genau reglementierten Muster und hohen Sicherheitsstandards. Wichtig zu wissen ist, dass der Lokführer exakt zum „Zeigersprung“ dafür sorgt, dass sich die Türen automatisch schließen und die Schiebetritte einfahren. Die im Fahrplan veröffentlichte Abfahrtzeit ist in diesem Moment erreicht und wer die Tür jetzt noch offenhält, verhindert die pünktliche Abfahrt.

 

Sicherheit hat höchste Priorität

Im Türbereich verbaute Lichtgitter signalisieren, ab wann die Türen tatsächlich frei sind. Nach jedem Einoder Ausstieg verlängert sich die Zeit, die eine Tür offen bleibt um jeweils sechs Sekunden. Das gilt auch, wenn die Abfahrtzeit bereits erreicht ist, andere Türen entlang des Zuges schon verschlossen sind und sich zu diesem Zeitpunkt auch nicht mehr öffnen lassen. Der Lokführer prüft durch Blick aus dem Seitenfenster außerdem bis zuletzt und je nach Sichtverhältnissen auf den verschiedenen Bahnhöfen, ob sich Fahrgäste noch im Bereich der Türen aufhalten. Erst wenn das Signal die Fahrt erlaubt, die Abfahrtzeit erreicht ist und die Zugtechnik dem Lokführer anzeigt, dass alle Türen geschlossen sind, kann sich der Zug in Bewegung setzen und die Reise beginnen. | Diana Möckl

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