Technik | 2017/08 - 20. April, S. 5


Für die Umwelt: Roll doch mal!


Klimaschutz bei DB Regio – auch durch energiesparende Fahrweise


Der Zug rollt Richtung Stralsund. Der Morgen ist grau, die Schienen sind regennass. Daniel Milkau beobachtet konzentriert, aber gelassen die Gleise vor sich. Seit 16 Jahren steuert er Regionalzüge durch Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern – eine gehörige Portion Berufserfahrung also.

Energie sparen
Daniel Milkau im Führerstand seiner modernen E-Lok
Foto: Eva Hahm

Der RE hat jetzt eine relativ lange Strecke bis zum nächsten Halt vor sich und ein Unkundiger würde nichts, rein gar nichts Auffälliges bemerken – nichts an der Geschwindigkeit auf der ausgebauten Strecke, nichts an den Fahrgeräuschen der E-Lok. Und doch passiert gerade etwas: Daniel Milkau hat die Fahrmotoren abgeschaltet. Er rollt, fährt also ohne Strom. Was beim Auto höchstens ein paar hundert Meter lang möglich wäre, gelingt beim reibungsarmen Schiene-Rad-System viele Kilometer weit. Energiesparendes Fahren!

Moderne Fahrzeuge brauchen deutlich weniger Strom

Der Fahrplan und das Streckenprofil geben vor, wann es dem Triebfahrzeugführer möglich ist, antriebslos zu rollen. Der Zug darf einerseits keine Verspätung haben, denn die Pünktlichkeit hat Priorität gegenüber dem Energiesparen. Anderseits soll er auch nicht zu früh am nächsten Bahnhof ankommen, schon wenige Sekunden haben hier einen Effekt.

Also geht es darum die Zugkraft frühzeitig abzuschalten, lange Ausrollphasen zu ermöglichen und nur selten mit Maximalgeschwindigkeit zu fahren. Neben einer jährlichen Schulung helfen dem Triebfahrzeugführer dabei ein Fahrerassistenzsystem in der Lok, eine Energieverbrauchsanzeige und – je nach Fahrplanlage, also Pünktlichkeit – elektronische Abschaltempfehlungen.

Und was bringt das Ganze? Vergleiche sind schwierig, da dabei immer exakt dieselben Voraussetzungen – Fahrplan, Zuglänge, Streckenprofil, Außentemperatur und vieles mehr – zugrunde liegen müssen. Dennoch wurde ermittelt, dass erfahrene Triebfahrzeugführer unter optimalen Bedingungen allein durch ihre Fahrweise eine Energieeinsparung von mehr als 10 Prozent erreichen. Seit 2003 hat DB Regio Nordost bei der Energieeffizienz eine Vorreiterrolle im Bahnkonzern eingenommen.

In noch höherem Maße haben moderne Fahrzeuge Einfluss auf den Energieverbrauch der Bahn. So konnte dieser bei der S-Bahn Rostock durch den Einsatz neuer Triebzüge auf eine Drittel gesenkt werden. Seit 2007 verkehren zwischen Rostock und Sassnitz die „Flirts“ der Firma Stadler. Sie benötigen nur etwas mehr als die Hälfte des Fahrstroms, den die Vorgänger – Lok BR 143 plus Doppelstockwagen – brauchten, fahren aber abschnittsweise 160 statt vorher 120 Stundenkilometer.

Diese rasante Verbrauchsreduzierung ist auch der Tatsache geschuldet, dass moderne Fahrzeuge Strom beim Bremsen in die Fahrleitungen zurückspeisen können.

Bei gleicher Masse und gleichem Fahrplan haben sie so einen 35 bis 45 Prozent niedrigeren Energieverbrauch als ältere Fahrzeuge. Moderne Technik und energieeffiziente Fahrweise haben allein bei der Brandenburger Linie RE 1 im Jahr 2016 gegenüber 2011 zu Stromeinsparungen geführt, die dem jährlichen Stromverbrauch von 6 150 Drei-Personen-Haushalten entsprechen.

bahn.de/gruen