Unternehmen | 2018/03 - 08. Februar, S. 5


Smarte Schrubber putzen am Hauptbahnhof


Reinigungsroboter im Wettstreit um DB-Vertrag


Der orange Amerikaner Taski Swingobot 2.000 verliert ein wenig die Orientierung, als von allen Seiten Menschen auf ihn zustürzen. Der rote Schweizer RA 660 Navi zeigt konstant gute Leistung, während das deutsche Start-up-Modell CR 700 vielleicht einen Tick zu feucht durchwischt. Sein Landsmann Hefter RoBot überragt sie alle und ist mit sichtbaren Bürsten und ohne menschliche Reinigungskraft auf dem dennoch vorhandenen Fahrersitz unterwegs.

Das ist so beabsichtigt bei der „Automated Cleaning:Challenge“, zu der das digitale Innovationslabor DB mindbox zusammen mit der Dienstleistungstochter DB Services Ende Januar aufgerufen hatte. Vier Reinigungsroboter namhafter Unternehmen stellten sich auf einer abgesperrten, 200 Quadratmeter großen Fläche im Berliner Hauptbahnhof einer sechsköpfigen Jury.

Reinigungsroboter

Auf die Plätze fertig los: Wer ist der beste Reinigungsroboter?
Foto: Pablo Castagnola/DB AG

Der Gewinner, der noch im Februar bekannt gegeben werden soll, erhält einen Zweijahresvertrag und soll nach erfolgreicher Testphase auf Bahnhöfen in ganz Deutschland für Sauberkeit sorgen, so Steve Leffs, Leiter Informationssysteme bei DB Services. Die smarten Schrubber seien zur Unterstützung der menschlichen Reinigungsteams gedacht.

Denn: „Die Sauberkeit hat viel Anteil daran, wie zufrieden die Kunden sind“, erklärt Thomas Hesse, Manager des Hauptbahnhofs. Er verweist darauf, dass Berlins zentrale Station bundesweit Platz eins der Kundenzufriedenheit
belegt. Dafür wird Tag und Nacht geputzt.

Für die Leistungsshow muss erst einmal ordentlich Dreck gemacht werden. Fette Mayonnaise- und Ketchupspritzer landen auf dem Fußboden, dazu werden Milch und Cola verschüttet und Chips zu Krümeln zertreten. Auftritt Putzroboter: Geordnet ziehen sie nacheinander ihre Bahnen. Je nach Modell erkennen sie Hindernisse durch Sonar- oder Lasertechnik. Kommt ihnen ein Passant zu nah, stoppen sie. Leeren sich ihre Akkus oder ist ihr Schmutzwassertank voll, können sie künftig selbstständig zur Servicestation fahren, um sich aufzuladen und zu versorgen.

Ein Jury-Mitglied erklärt, dass 26 Kriterien zu erfüllen sind – von der Orientierung im Bahnhof über die Reaktion auf Reisende und Hindernisse bis hin zur Reinigungsqualität und -leistung sowie Betriebssicherheit. Immerhin kostet ein vollautomatisierter Reinigungsroboter je nach Ausstattung zwischen 33.000 bis 80.000 Euro. 

Claudia Braun