Technik | 2018/01 - 11. Januar, S. 6


Gut vorbereitet und bestens vernetzt


Betriebszentrale und Transportleitung steuern gemeinsam den Zugverkehr


„Wenn alle Züge nach Fahrplan fahren, ist keine Disposition nötig und es muss nichts gemacht werden“, erklärt Oliver Konowalzyk, der die Transportleitung von DB Regio Nordost leitet, die Ruhe im Raum. Seine Mitarbeiter, fünf sind es pro Schicht, sitzen an ihren oval angeordneten Arbeitsplätzen und beobachten entspannt den Verkehr, der in bunt markierten Linien auf den Monitoren abgebildet wird.

Jeder der Disponenten für Ressourcen, Fahrbetrieb und Reisendeninformation hat gleich mehrere Bildschirme vor sich. 1.600 Zugfahrten pro Tag durch Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern werden von hier aus betreut.

Netzdisposition

Erik Hinke, Leiter Netzdisposition der Betriebszentrale Berlin (links) ist für die Infrastruktur zuständig, Oliver Konowalzyk, Leiter der Transportleitung für Züge und Personal von DB Regio Nordost.
Fotos (3): André Groth

Viel zu tun gibt es, sobald Einflüsse von außen dazukommen, wie etwa bei Wildschäden an Zügen, bei dem Brand in einem Technikraum im Bahnhof Zoo am Silvestertag oder Wetterkapriolen. Dann laufen die Telefone heiß und die Disponenten suchen nach Lösungen, Züge und Personal so zu dirigieren und umzuplanen, dass die Fahrgäste möglichst wenig von den Einschränkungen spüren. Sobald klar ist, wie auf die jeweilige Situation reagiert werden kann, gehen von hier aus auch die Informationen in die verschiedenen Auskunftssysteme und die Apps.

Per Mausklick werden Weichen und Signale gesteuert

Beim Störungsmanagement kommt den Mitarbeitern der Transportleitung von DB Regio Nordost die Nähe zur Betriebszentrale entgegen, denn sie sitzen in den gleichen Räumen in der Granitzstraße in Pankow. Die Betriebszentrale von DB Netz ist für den Infrastrukturbereich zuständig.

„Die Fahrdienstleiter und Zugkoordinatoren überwachen von hier aus die Fahrwege, steuern Signale und Weichen per Mausklick – und zwar für alle Verkehre der über 80 Eisenbahnverkehrsunternehmen, die Züge im Fern-, Regional- und Güterverkehr durch Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern fahren lassen“, so Erik Hinke, Leiter Netzdispositon. Auch die Mitarbeiter der Betriebszentrale sitzen vor vielen Monitoren, auf denen im Sekundentakt die Daten von Soll-Fahrplan und tatsächlichem Geschehen draußen auf der Strecke abgeglichen werden.

Ist die Differenz zu groß, sprich verspätet sich ein Zug oder gibt es eine Störung auf der Strecke, besteht Handlungsbedarf. Schließlich sind die Trassen teilweise stark ausgelastet, und wenn der Verkehr einmal aus dem Takt kommt, hat das Konsequenzen für alle nachkommenden Züge.

„Im Prinzip wird dann jeder Zug einzeln disponiert“, erläutert Erik Hinke von DB Netz. Je nach Vorfall macht die Betriebszentrale dann den Transportleitungen der verschiedenen Verkehrsunternehmen Vorschläge für Anpassungen des Fahrplans. Bei größeren Störungen kommuniziert der Netzkoordinator mit den Einsatzkräften von Polizei und Feuerwehr vor Ort und gibt Prognosen, wann eine Strecke wieder befahrbar ist, weiter an die Transportleitungen.

Der Ersatzfahrplan ist schon erstellt

Vorbereitete Störfallszenarien, die im Dispositionshandbuch festgehalten sind und allen Beteiligten zur Verfügung stehen, helfen dabei, möglichst schnell zu reagieren. Beim Brand am 31. Dezember etwa kam so eines zum Einsatz. Der Haltausfall am Bahnhof Zoologischer Garten wurde mit dem Halt in Charlottenburg kompensiert. Jedes Szenario hat eine Nummer, die dann einfach durchgegeben wird, und alle wissen, was zu tun ist. „Der große Vorteil daran ist, dass die neuen Fahrpläne für das jeweilige Szenario schon hinterlegt sind. Ohne gültigen Fahrplan darf der Lokführer nicht fahren.

DB Regio Linie

Die bunten Linien symbolisieren einzelne Züge.

Früher mussten wir den neuen Fahrplan für die jeweilige Situation erst neu erstellen, so lange stand alles. Jetzt rufen die Lokführer den neuen Fahrplan für das Szenario einfach auf ihrem Tablet auf und es kann weitergehen, das spart viel Zeit“, hebt Oliver Konowalzyk die Vorteile dieses Vorgehens hervor.

Es gibt also für die meisten Fälle einen Plan B. Nur bei besonders großen Einflüssen, da sind sich Erik Hinke und Oliver Konowalzyk einig, wird es richtig schwierig. Wie zum Beispiel beim Sturm Xavier, der im Oktober des letzten Jahres das Brandenburger Netz fast flächendeckend unbefahrbar gemacht hat. Doch auch um auf solche Störungen besser reagieren zu können, wurden nun weitere Maßnahmen ergriffen. So wird zum Beispiel der Einsatz von Hubschraubern, die schnell Schadenbilder von den Strecken liefern können, ausgeweitet.

 

Netzkoordinator

Robin Peter, Netzkoordinator in der Betriebszentrale, kommuniziert im Störfall mit den Einsatzkräften an der Strecke und erarbeitet Vorschläge für den weiteren Verkehr.

nd