Verbindungen | 2017/23 - 06. Dezember, S. 4


Neue Südkurve ist einmalig in Berlin


S 9 fährt ab Fahrplanwechsel wieder direkt durch die Innenstadt


Wenn am 10. Dezember gegen halb 3 Uhr früh die erste S-Bahn der Linie S 9 in Spandau startet und über die neue Südkurve am Ostkreuz fährt, wird damit ein innovatives Bahnbauwerk in Betrieb genommen, das es so nur einmal in Berlin gibt.

Nach rund fünf Jahren Bauzeit und einer langen Planungszeit im Vorfeld können die Züge dann wieder im 20-Minutentakt zwischen Flughafen Schönefeld, der Innenstadt und Spandau fahren. Ein Halt am Ostkreuz ist bei dieser Streckenführung nicht vorgesehen.

Südkurve
Blick auf die neue Verbindungskurve
Foto: Sven Heinemann

Zudem müssen sich Fahrgäste der S 9 bis November 2018 am Bahnhof Treptower Park auf eine längere Haltezeit einstellen: stadteinwärts sind das circa vier und stadtauswärts circa drei Minuten. Hintergrund ist, dass die Infrastruktur noch ein Jahr lang eingeschränkt ist. So sind im Bereich zwischen Ostkreuz und Ostbahnhof vorerst nur zwei statt später vier Gleise verfügbar.

Diplom-Ingenieurin Karin Kamitz von der DB Netz AG hat die Südkurve bei einer Testfahrt in einer S-Bahn bereits kennengelernt: „Es war ein tolles Erlebnis, mit 80 Kilometern pro Stunde über die neu entstandenen Brücken zu fahren“, sagt sie.

„Der Bau der Südkurve stellte eine besondere Herausforderung dar“, so Projektingenieur Klaus Kamitz von der DB Netz AG. „Alte Brücken, bestehende Denkmäler wie der Wasserturm und das ehemalige Beamtenhaus, die Vorsorgearbeiten für die Bundesautobahn sowie der rollende Zugverkehr – auf all das mussten wir Rücksicht nehmen.“

Zunächst hieß es, die alten Brückenteile der Südkurve zu demontieren, was im Dezember 2010 vollbracht war. Anfang 2015 begann die Montage der neuen Stahlbrücken für die Südkurve, die aus 22 Einzelteilen besteht. Gearbeitet wurde im Taktschiebeverfahren, wobei die Anlieferung der Stahlteile genau geplant sein musste. Klaus Kamitz schildert einen besonders kniffligen Fall.

Das Bauteil 13, mit einer Länge von 54 Metern und einem Gesamtgewicht von 110 Tonnen, konnte aufgrund seiner Masse nicht komplett auf den  Tieflader und musste in zwei Einzelteilen geliefert werden. Vor Ort wurden diese dann zusammengeschweißt und anschließend  in ihre endgültige Position gebracht.

Mit 21,4 Millionen Euro war die Südkurve inklusive ihrer Stützbauwerke die teuerste Einzelmaßnahme des Ostkreuz-Umbaus.

Claudia Braun