Technik | 2017/21 - 09. November, S. 5


Auf Gleisen droht Lebensgefahr


So verhalten sich Fahrgäste und Unfallzeugen sicher


Schwerste, lebensbedrohliche Verletzungen haben sich in den vergangenen Wochen zwei Männer auf Gleisen der S-Bahn Berlin zugezogen, weil sie von Zügen erfasst wurden. Die tragischen Unglücksfälle nimmt der Eisenbahnbetriebsleiter der S-Bahn Berlin, Martin Hansch, zum Anlass, erneut darauf hinzuweisen, dass jeder auf dem Bahnsteig eine gewisse Vorsicht und Rücksicht walten lassen sollte und das unerlaubte Betreten von Bahnanlagen immer eine Gefahr für Leib und Leben darstellt.

Lebensgefahr auf Gleisen
Foto: DB AG/Volker Emersleben

Bei dem einen Unfall stürzte ein alkoholisierter 55-Jähriger in das Gleis am S-Bahnhof Humboldthain. Zwei weitere Reisende sprangen daraufhin ebenfalls ins Gleis, um ihn auf den Bahnsteig zu heben, was jedoch misslang. „Der Unfall wäre wahrscheinlich zu verhindern gewesen, wenn die Fahrgäste auf dem Bahnsteig dem Zug entgegengelaufen wären und dem Triebfahrzeugführer Zeichen gegeben hätten“, so die Einschätzung von Hansch. Zwar versuchte dies einer der Anwesenden, jedoch aus dem Gleis, wo er für den Lokführer erst sehr spät zu sehen war. „Zeugen, die helfen wollen, sollten sich nicht selbst in Gefahr begeben.

Ins Gleis zu springen, um zu helfen, ist auf keinen Fall die richtige Reaktion. In Situationen, in denen es nicht möglich ist, dem Zug entgegenzulaufen, kann Hilfe über die Informationsrufsäule gerufen oder die Polizei über die Rufnummer 110 verständigt werden. Die Beamten können direkt mit der Betriebszentrale der DB Netz AG Kontakt aufnehmen und dafür sorgen, dass der Zug angehalten wird“, erklärt Martin Hansch.

Warum im zweiten Fall ein 21-Jähriger auf der Bahnstrecke zwischen den Bahnhöfen Wildau und Königs Wusterhausen von einem Zug erfasst wurde, ist noch nicht abschließend geklärt, weil der junge Mann von der Polizei noch nicht vernommen werden konnte. „Die Polizei vermutet aber, dass er eine Abkürzung über die Gleise nehmen wollte. Das ist lebensgefährlich, denn nicht immer hört oder sieht man einen herannahenden Zug. Hinzu kommt, dass der Bremsweg einer S-Bahn bis zu 400 Meter beträgt. Wenn der Triebfahrzeugführer eine Person auf dem Gleis wahrnimmt und eine Schnellbremsung einleitet, kann es bereits zu spät sein“, sagt Hansch.

Angesichts der jüngsten Unfälle appelliert der Eisenbahnbetriebsleiter an alle, das eigene Verhalten zu überprüfen. Dazu gehört, beim Warten auf dem Bahnsteig einen Sicherheitsabstand zur Bahnsteigkante zu halten, also hinter dem Sicherheitsstreifen zu bleiben. Außerdem sollten Bahnanlagen generell nie betreten werden. Gefahr geht nicht nur von Zügen, sondern auch von Stromschienen und Oberleitungen aus. Für einen lebensbedrohlichen Stromschlag reicht unter bestimmten Umständen bereits die bloße Annäherung.

| Claudia Braun